Freitag, 13. September 2019

eco: EuGH erteilt deutschem Leistungsschutzrecht eine Abfuhr

Das Gericht zog einen Schlussstrich unter die jahrelangen Gerichtsverfahren

 
Foto: Gerichtshof der Europäischen Union

 
Mit seiner heutigen Entscheidung hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) das deutsche Leistungsschutzrecht für Presseverleger für nicht anwendbar erklärt. Das Gericht folgte damit der Meinung des Generalanwaltes und zog einen Schlussstrich unter die jahrelangen Diskussionen und zahlreichen Gerichtsverfahren. Beim Leistungsschutzrecht handle es sich laut EuGH um eine Vorschrift betreffend einen Dienst der Informationsgesellschaft und somit um eine „technische Vorschrift“, deren Entwurf der Kommission zur Notifizierung hätte vorgelegt werden müssen.

eco hat das deutsche Leistungsschutzrecht von Anfang an kritisiert: „Das Leistungsschutzrecht in Deutschland einzuführen war eine politische Fehlentscheidung. Dieses Gesetz war von Anfang an ein Fiasko und hat zu nichts als Ärger, Unmut und Frustration bei allen Betroffenen auf beiden Seiten geführt. Niemand hat dadurch Einnahmen erzielt – stattdessen haben die Gerichtsverfahren und Gutachten immense Kosten bei allen Beteiligten verursacht.“, so eco Vorstandsvorsitzender Oliver J. Süme. „Leider steht uns mit der im April beschlossenen Richtlinie für ein europäisches Urheberrecht schon das nächste quälende Kapitel des Leistungsschutzrechts bevor, das zur realen Bedrohung für Autoren, Unternehmen sowie Internetnutzer in Europa wird.“ Insbesondere für kleine und mittlere Betriebe drohen die hohen Investitionen und die Rechtsunsicherheit zu technischen, wirtschaftlichen und juristischen Problemen zu führen.

Mit einer Stellungnahme hat sich eco – Verband der Internetwirtschaft im September an der Konsultation zur nationalen Umsetzung der Urheberrecht-Richtlinie im digitalen Binnenmarkt in Deutschland beteiligt und dabei nochmals die für die Internetwirtschaft zentralen Kritikpunkte, darunter auch das Leistungsschutzrecht für Presseverleger, adressiert. Die vollständige Stellungnahme finden Sie hier.

Mittwoch, 21. August 2019

Hunde jetzt keinesfalls im Auto zurücklassen

„Hund im Backofen“ – TASSO kritisiert die Fahrlässigkeit vieler Hundehalter

 

Bildnachweis: © TASSO e.V.

Sie wurden zurückgelassen, hechelten verzweifelt nach frischer Luft, waren überhitzt und kämpften oft ums Überleben. Auch in diesem Sommer hat es wieder zahlreiche Fälle gegeben, in denen Hunde trotz der heißen Temperaturen im Auto zurückgelassen worden sind. Die Tierschutzorganisation TASSO e.V., die Europas größtes Haustierregister betreibt und seit Jahren massiv über dieses Thema aufklärt, hat diese „Hund im Backofen“-Fälle gezählt. Das Ergebnis ist erschreckend. 

Eine knappe Rettung in Hannover, ein kollabierter Labrador in Bingen, eine uneinsichtige Hundehalterin, die in Dierdorf einfach wegfährt: Allein in der Zeit von Ende April bis Mitte August sind in mindestens 45 Fällen Hunde bei Hitze im Auto zurückgelassen worden. Die Betonung liegt auf mindestens, denn betrachtet werden hier nur die Fälle, über die in der Presse berichtet worden ist – meist weil Polizei oder Feuerwehr eingeschaltet wurden. Die Dunkelziffer der Hunde, die in diesem Sommer unter den extremen Temperaturen im Auto leiden mussten, dürfte erheblich höher sein, ist man bei TASSO überzeugt. Schließlich ist nicht immer ein aufmerksamer Passant vor Ort, der bemerkt, dass ein Hund im Auto leidet und Hilfe leistet.

Zum Glück konnten die Hunde in den meisten bekannt gewordenen Fällen rechtzeitig gerettet werden. Fast immer wird in den Presseberichten jedoch auch geschildert, wie uneinsichtig sich die betroffenen Halter gezeigt haben. Die Zeugen wurden teilweise eingeschüchtert oder bedroht und häufig fuhren die Tierhalter einfach weg. Auch die Belehrungen von Polizei oder Feuerwehr werden oft als falsch oder übertrieben abgetan. „Das ist wirklich erschütternd“, sagt TASSO-Leiter Philip McCreight konsterniert. „Wer ein Tier hält, übernimmt damit auch Verantwortung für sein Wohlergehen. Es ist ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, einen Hund im heißen Auto leiden zu lassen.“ Dass sich der Innenraum der Fahrzeuge schon bei etwa 20 Grad Außentemperatur binnen kurzer Zeit auf extreme Temperaturen aufheizt, ist wissenschaftlich bewiesen und keineswegs übertriebene Hysterie, stellt der TASSO-Leiter weiter klar. „Jeder kennt das Gefühl, nach einer kurzen Zeit ins überhitze Auto einzusteigen und festzustellen, wie abgestanden und heiß die Luft darin ist.“

Dieser Sommer hat einmal mehr gezeigt, dass noch immer viel Aufklärungsarbeit notwendig ist. Auf der Webseite www.tasso.net/hib stellt TASSO die Gefahren aus tiermedizinischer Sicht genau dar. Weiterhin ist dort zusammengefasst, wie sich Helfer im Ernstfall verhalten sollten. Auch Aufklärungsmaterial zu dem Thema bietet TASSO kostenfrei an, damit möglichst viele Menschen von der Gefahr erfahren. Philip McCreight stellt klar: „Es darf nicht sein, dass noch immer so viele Hundehalter die Verantwortung gegenüber ihrem Tier auf die leichte Schulter nehmen!“

Berichte zu einigen der „Hund im Backofen“-Fälle finden Sie hier.

Donnerstag, 1. August 2019

70 Prozent der Berufstätigen sind im Urlaub für den Chef erreichbar

Kontakt mit dem Job vor allem via Kurznachricht und Telefon
Jeder Vierte ruft seine beruflichen E-Mails auch auf Reisen ab

 



Viele Berufstätige in Deutschland trennen ihr Privatleben auch im Urlaub nicht von ihrem Job: 70 Prozent derjenigen, die im Sommer 2019 verreist sind, sind während dieser Zeit dienstlich erreichbar. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.003 Bundesbürgern ab 16 Jahren ergeben. Damit ist dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr leicht angewachsen: 2018 waren noch 64 Prozent im Urlaub beruflich ansprechbar. 65 Prozent der Befragten geben an, per Kurznachricht wie WhatsApp, SMS oder iMessage für ihren Arbeitgeber, ihre Kollegen oder Geschäftspartner erreichbar zu sein. 58 Prozent gehen dafür auch ans Telefon und mehr als jeder Vierte (26 Prozent) ruft während des Urlaubs seine beruflichen E-Mails ab.

„Durch die digitalen Technologien befindet sich die Arbeitswelt in einem radikalen Wandel: Menschen können arbeiten, wann und wo sie wollen. Die vormals zumindest bei abhängig Beschäftigten klare Trennlinie zwischen Beruf und Privatleben löst sich zunehmend auf. 

Viele Arbeitnehmer genießen Vertrauensarbeitszeiten und können auch von ihrem Arbeitsplatz aus private Dinge erledigen. Und umgekehrt sind viele Arbeitnehmer bereit, auch im Urlaub dienstlich erreichbar zu sein“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Es ist allerdings wichtig, dass die freie Zeit möglichst ungestört zur Erholung oder für rein private Unternehmungen genutzt werden kann. Unternehmen sollten darauf achten, dass es gute und funktionierende Vertretungslösungen gibt und Kollegen im Urlaub nur im absoluten Notfall gestört werden.“

Vor allem Jüngere setzen bewusst Grenzen: So geben 36 Prozent der 16- bis 29-Jährigen an, in ihrem diesjährigen Sommerurlaub nicht erreichbar zu sein. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 25 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen 29 Prozent. „Eine rechtliche Verpflichtung zur Erreichbarkeit besteht in den meisten Fällen nicht“, betont Rohleder. „Der Wandel der Arbeitskultur stellt die Unternehmen jedoch vor Herausforderungen. Auch verpflichten viele Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht mehr, mit langem Vorlauf Urlaub einzureichen. Urlaubssperren wegen dienstlicher Belange werden zur Ausnahme. Das kann umgekehrt bedeuten, dass jemand auch während seines Urlaubs noch ein Auge auf ein laufendes Projekt hat, gerade in kleinen Unternehmen. Wichtig ist, dass Vorgesetzte mit ihren Mitarbeitern Absprachen zur Erreichbarkeit treffen, die der individuellen Situation am besten entsprechen.“

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.003 Bundesbürger ab 16 Jahren in Deutschland telefonisch befragt, darunter 339 Berufstätige, die einen Sommerurlaub machen. Die Fragestellung lautete: „Sind Sie im Sommerurlaub in diesem Jahr beruflich per E-Mail, telefonisch oder per Kurznachricht erreichbar?“

Samstag, 13. Juli 2019

Business-Trend digitale Assistenten: Datentransparenz und gute Erziehung als Schlüssel zum KI-Erfolg

eco-Umfrage zeigt: Über ein Viertel der Deutschen nutzt bereits digitale Sprachassistenten

 

 

Digitale Sprachassistenten sind beliebt: Über ein Viertel (27,3 Prozent) der Deutschen nutzt bereits digitale Helfer wie Google Assistant, Amazon Alexa, Siri oder Cortana. 5,7 Prozent der Deutschen haben ihre smarten Lautsprecher dabei sogar mehrmals täglich im Einsatz – so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.* 

 

„Digitale Sprachassistenten unterstützen uns in allen Lebenssituationen immer stärker und werden darin auch immer besser – ob zuhause, im Auto oder im Job“, sagte Dr. Bettina Horster, Leiterin der Kompetenzgruppe IoT im eco Verband und Vorstand VIVAI Software AG auf den IoT Business Trends am 2. Juli, dem jährlichen Get-together der IoT-Branche in Düsseldorf. 

 

Das riesige Entwicklungspotenzial für Unternehmen und Gesellschaft könne sich aber langfristig nur entfalten, wenn die Anbieter ihre Hausaufgaben machten, so Horster, dazu zählten beispielsweise auch die Umsetzung hoher Datenschutz- und Sicherheits-Standards. 

 

Datenschutz als wichtigste Grundvoraussetzung für alle Services rund um Sprachassistenten

Tatsächlich ist die Angst vor dem Missbrauch der eigenen Daten für die Deutschen im Moment noch das wichtigste Argument (41,9 Prozent), um auf digitale Sprachassistenten zu verzichten. Bedenken haben viele Menschen auch bezüglich eines möglichen Missbrauchs der Sprachassistenten durch Dritte (12,5 Prozent) sowie eine mögliche Überwachung und staatliche Strafverfolgung (11,1 Prozent). „Wenn es den Anbietern gelingt, mit nachweislich hohen Sicherheitsstandards die Bedenken der Menschen auszuräumen, dann werden auf der Basis digitaler Sprachassistenten auch zahlreiche neue Services für Unternehmen entstehen“, sagt Horster. „Digitale Sprachassistenten werden die Zusammenarbeit im Unternehmen, jedoch auch mit Kunden und Partnern nachhaltig verbessern.“
Die Anbieter und Betreiber von Systemen der künstlichen Intelligenz seien hier gefragt, die Arbeitsweise ihrer Dienste und Produkte nachvollziehbar zu kommunizieren. Anwendern und Betroffenen muss verständlich gemacht werden, wie eine künstliche Intelligenz arbeitet, warum die Systeme eine Empfehlung oder Entscheidung in einer bestimmten Situation und Form treffen und welche Daten verarbeitet und gegebenenfalls generiert werden. Nur so sei sichergestellt, dass künstlich intelligente Services breite gesamtgesellschaftliche Akzeptanz finden können. Eine Forderung, die der eco Verband der Internetwirtschaft auch bereits in den Leitlinien zum Umgang mit künstlicher Intelligenz aufgestellt hat.
Sprachassistenten können mehr
Bislang setzen die Menschen digitale Sprachassistenten jedoch noch hauptsächlich dafür ein, um Informationen im Netz zu finden (32,4 Prozent). Auch um Musik zu hören, im Auto zu navigieren oder sich an Termine erinnern zu lassen, sind virtuelle Assistenten gefragt. Tatsächlich können die Geräte heute aber schon viel mehr wie etwa Anwendungen in der Pflege zeigen: Dort helfen sie älteren Menschen dabei, länger in den eigenen vier Wänden zu leben – ein Ziel der Initiative Smart Service Power. Auch im Auto sorgen Sprachassistenten für mehr Komfort, in dem sich Funktionen per Stimme steuern lassen.
Eine zukünftige KI-Einsatzmöglichkeit in der mittelständischen Wirtschaft beschrieb Andreas Weiss, Geschäftsbereichsleiter Digitale Geschäftsmodelle im eco Verband: Das Projekt Service-Meister soll mit intelligenten Algorithmen dafür sorgen, dass sich Anlagen einfacher warten und verfügbar halten lassen. Dazu entwickelt Service-Meister eine offene Plattform, die das Expertenwissen von Wartungs- und Servicetechnikern skalierbar machen soll.
KI braucht menschliche Intelligenz für ihre nächsten Entwicklungsschritte
Welche weiteren Entwicklungsschritte zukünftig wahrscheinlich sind, das skizzierte Prof. De Kai Wu von den Universitäten in Hong Kong und Berkeley. „KI-Anwendungen von heute sind nicht mehr nur regelbasiert, sie setzen stattdessen auf maschinelles Lernen und neuronale Netze“, sagt der führende Computerlinguist. Da KI-Algorithmen vor allem von uns lernten, seien sie von menschlicher Erziehung abhängig. Denn: „Wir alle sind die Trainingsdaten“, sagt Prof. De Kai Wu. „Unser Verhalten beeinflusst, wie sich eine KI entwickelt. Zu einem nachhaltigen und lebenswerten Planeten gehört daher auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit Technologien und Werkzeugen, wie sie uns die KI-Ära ermöglichen wird.“
Weitere Informationen:
Zentrale Herausforderungen und Lösungen künstlicher Intelligenz diskutiert eco mit den Vordenkern und Impulsgebern aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft sowie Betreibern digitaler Infrastrukturen und Dienste beim eco Kongress FAST. FORWARD. FUTURE. Mit künstlicher Intelligenz das Internet der Zukunft gestalten, am 21. November 2019 in Köln. Weitere Infos zu Programm und Anmeldung zum eco Kongress.