Montag, 26. Oktober 2020

Wie lassen sich krisenbedingte Existenzbedrohungen in Familienunternehmen überwinden?

Neuer Praxisleitfaden des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) gibt Tipps für ein erfolgreiches Krisenmanagement in Familienunternehmen

Pandemie und Krise – die Anstrengungen zur Sicherung von Unternehmen sind allerorten groß. Damit die Bemühungen nicht ins Leere laufen, ist es unabdingbar, die Abläufe und Prozesse im Rahmen einer Krisendynamik zu verstehen sowie bewährte Maßnahmen des Krisenmanagements zu kennen. 

Genau hier setzt der neue WIFU-Praxisleitfaden „Krisenmanagement und Krisenfestigkeit in Familienunternehmen – Über besondere Dynamiken und Herausforderungen beim Umgang mit Existenzbedrohungen“ an: Von einer Krise betroffene Familienunternehmen erhalten praxiserprobte Handlungsempfehlungen und Gestaltungsvorschläge für eine erfolgreiche Krisenbewältigung, die den Besonderheiten dieses Unternehmenstyps in dem gebotenen Umfang gerecht werden. 

 

Daneben hält der Leitfaden auch präventiv wirkende Maßnahmen bereit, die Unternehmen dabei helfen, sich auf kommende Krisen vorzubereiten. 

Ein besonderes Augenmerk legen die Autoren Tom Rüsen (WIFU) und Konrad Fröhlich (Struktur Management Partner GmbH) dabei auf den sogenannten „Familienfaktor“. Sie machen deutlich, dass ein Krisenmanagement nur dann erfolgreich sein kann, wenn der bestimmende Einfluss der Unternehmerfamilie auf das Familienunternehmen mit allen Auswirkungen richtig erkannt und in die Maßnahmen einbezogen wird.


„In dem neuen, hochaktuellen Leitfaden gilt unsere Aufmerksamkeit insbesondere den Unternehmerfamilien“, erläutert Rüsen. „Gerade in Krisensituationen sind sie besonderen Anforderungen ausgesetzt, wenn die übrigen Stakeholder zunehmend ihre Interessen geltend machen.“ „Der Leitfaden beleuchtet aus der Perspektive von Unternehmerfamilien praktikable Wege zum Erhalt ihrer Souveränität und zur Sicherung ihrer Existenz. Die Verknüpfung von wissenschaftlicher Expertise und langjährigen praktischen Erfahrungen auf höchstem Niveau bildet die Grundlage“, ergänzt Fröhlich.

Alle WIFU-Praxisleitfäden stehen auf der Homepage des WIFU (www.wifu.de/bibliothek) kostenlos zur Verfügung.

 

Sonntag, 4. Oktober 2020

Viele Senioren kaufen Lebensmittel im Netz

  • Großer Anteil älterer Onliner-Shopper bestellt Essen und Getränke im Internet
  • Online-Lieferdienste für Pizza und Co. sind vor allem bei Jüngeren beliebt


Hier geht es zum Internetkaufhaus

Ob Quark, Knäckebrot oder Brokkoli aus der Tiefkühltruhe: Seit Ausbruch der Corona-Pandemie bestellen viele Menschen in Deutschland ihre Lebensmittel im Netz. Auch bei älteren Menschen über 65 Jahren ist das Angebot von Online-Supermärkten wie rewe.de, Amazon Fresh oder bringmeister.de beliebt. Fast jeder dritte Senior (29 Prozent), der das Internet zum Shoppen nutzt, kaufte dort im August Lebensmittel und Getränke. In keiner Altersgruppe war der Anteil höher: 17 Prozent sind es bei 16- bis 29-Jährigen Online-Shoppern, 19 Prozent bei den 30- bis 49-Jährigen und 17 Prozent bei den 50- bis 64-Jährigen. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 1.003 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren. „Senioren nutzen das Internet zwar insgesamt seltener als jüngere Menschen, diejenigen, die aber online shoppen, schöpfen die vorhandenen Möglichkeiten intensiv aus. Gerade mobil eingeschränkte Menschen und Risikogruppen minimieren durch den Service von Online-Supermärkten nicht nur die Gefahr, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren, sondern vermeiden auch das Tragen schwerer Tüten und Getränkekisten“, sagt Florian Lange, Bitkom-Experte für Handel und Logistik.

Anders als bei Lebensmitteln und Getränken aus dem Supermarkt ist es bei fertig zubereitetem Essen wie Pizza, Sushi oder Burger von Lieferdiensten bzw. Restaurants: 41 Prozent der 16- bis 29-jährigen Verbraucher in Deutschland geben an, dies in den vergangenen vier Wochen online bestellt zu haben sowie 35 Prozent der 30- bis 49-Jährigen. Bei den 50- bis 64-Jährigen sind es 44 Prozent, aber nur jeder achte Senior ab 65 Jahren (12 Prozent). „Trotz zahlreicher Lockerungen meiden viele Menschen nach wie vor den Restaurantbesuch. Mit Online-Bestellmöglichkeiten können Restaurants ihren Kunden die Treue halten und eventuelle Umsatzeinbußen kompensieren“, betont Lange. Rund jeder Fünfte (21 Prozent) unter den 16- bis 64-Jährigen hat zuletzt sogar mindestens einmal wöchentlich fertig zubereitetes Essen online bestellt. Bei der Generation 65 plus waren es nur 7 Prozent.

Hinweis zur Methodik: 

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverband Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.003 Personen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellung lautete: „Welche der folgenden Produkte haben Sie in den vergangenen 4 Wochen online eingekauft?“

Freitag, 14. August 2020

Schnelle Hilfe in der Krise

Maßnahmen für Selbstständige, Freiberufler und kleine Firmen im Überblick

 

Foto: djd/BVR/Getty Images/sturti

Um kurzfristig Liquiditätsengpässe zu überbrücken sowie Arbeitsplätze und Existenzen zu sichern, sind umfangreiche Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht worden. Über die entsprechenden Möglichkeiten sollte man sich gut informieren.

(djd). Die Folgen der Coronakrise für jeden einzelnen Bürger werden sich vielleicht erst in einigen Jahren vollständig überblicken lassen. Fakt ist jedoch: Um kurzfristig Liquiditätsengpässe zu überbrücken sowie Arbeitsplätze und Existenzen zu sichern, sind sowohl durch die Bundesregierung als auch durch die Bundesländer umfangreiche Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht worden - besonders für Kleinunternehmen, Selbstständige und Freiberufler. Hier einige der wichtigsten Maßnahmen im Überblick: 
 

Förderkredite mit Haftungsfreistellung 

 
Etablierte und junge Unternehmen, die durch die Coronakrise in finanzielle Engpässe geraten sind, können bei Banken und Sparkassen einen Förderkredit der staatlichen KfW-Bankengruppe für Investitionen und Betriebsmittel beantragen. Voraussetzung: Sie waren bis zum 31. Dezember 2019 in keinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die KfW übernimmt dabei einen Teil des Risikos - für kleinere und mittlere Unternehmen bis zu 90 Prozent beziehungsweise beim KfW-Schnellkredit 100 Prozent. Die Förderkredite werden bei der jeweiligen Hausbank beantragt. Detaillierte Infos gibt es bei den Banken und Sparkassen vor Ort und unter www.foerder-welt.de. 
 

Finanzielle Freiräume mit speziellen Förderkrediten 

 
Die Volksbanken und Raiffeisenbanken etwa verschaffen mit dem "VR Smart flexibel Förderkredit" speziell kleinen und mittelständischen Unternehmen kurzfristig finanzielle Freiräume. Die Besonderheit: Im Rahmen der Corona-Soforthilfe ist der Kredit KfW-förderungsfähig. Die Kredithöhe liegt bei maximal 100.000 Euro. 
 

Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken

 
Unternehmen, die bis zur Krise tragfähige Geschäftsmodelle hatten, können Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken für Betriebsmittel- und Investitionsfinanzierungen beantragen. Bei kleineren Unternehmen ist eine 100-prozentige Bürgschaft für einen Maximalbetrag von 250.000 Euro möglich. 
 

Steuerliche Erleichterungen 

 
Unmittelbar von Corona betroffene Unternehmen erhalten steuerliche Erleichterungen. Steuerschulden aus der Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie der Umsatzsteuer können bis Ende 2020 gestundet, Steuervorauszahlungen angepasst werden. Auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge wird sowohl bei der Einkommen- und Körperschaftsteuer als auch bei der Umsatzsteuer verzichtet. 
 

Grundsicherung 

 
In der Krise erhalten Selbstständige leichter Zugang zur Grundsicherung. Damit können sie ihren Lebensunterhalt und ihre Unterkunft in der Krise sichern. Sie müssen in den nächsten Monaten weder ihre Vermögensverhältnisse offenlegen noch ihr Vermögen antasten. Die Ausnahmen gelten seit April 2020 für sechs Monate. Die Bedürftigkeitsprüfung erfolgt erst nachträglich.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Wenn der Job zum Psychotrip wird

Burnout, Depressionen & Co.: Zahl der Betroffenen steigt rasant


Foto: KKH Kaufmännische Krankenkasse


Ob Stress durch zu hohe Anforderungen, Überstunden, Pendeln, Mobbing oder auch Arbeitssucht: Der Job bringt immer mehr Menschen psychisch ans Limit. Das hat eine Auswertung unter berufstätigen Versicherten der KKH Kaufmännische Krankenkasse ergeben. Demnach stellten Ärzte 2018 bundesweit rund 320.000 Diagnosen aufgrund seelischer Leiden wie Angststörungen und Depressionen. Gegenüber 2008 bedeutet das einen Anstieg von durchschnittlich rund 40 Prozent. Den größten Leidensdruck im Job haben offenbar Berufstätige in Sachsen-Anhalt (plus 66 Prozent), den geringsten Anstieg registriert die KKH in Niedersachsen (plus 26 Prozent).

Der Job schlägt vor allem Frauen, aber zunehmend auch mehr Männern auf die Seele: Jede sechste Arbeitnehmerin erhielt 2018 die Diagnose Depression. Unter den männlichen Kollegen war es hingegen jeder 13. Auch von Angststörungen, Anpassungsstörungen (depressive Reaktionen aufgrund körperlicher und seelischer Belastungen) und somatoformen Störungen (körperliche Beschwerden, die keine organische Ursache haben) sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen. Allerdings ist bei allen Erkrankungen der Anstieg bei den Männern erheblich größer.

„In der Regel sind es meistens die Frauen, die sich neben dem Job um Kinder, Haushalt und zu pflegende Angehörige kümmern", nennt Jana Acker, KKH-Expertin für Psychologie und Stressreduktion einen der Gründe für den großen Frauenanteil bei psychischen Leiden. Eine andauernde Doppelbelastung könne krank machen. Bei Männern hingegen sind die Ursachen für Dauerstress häufig rein beruflicher Natur. „Viele Männer wollen in ihrem Job die Nummer eins sein beziehungsweise meinen, die Nummer eins sein zu müssen. Dieser Druck hat offenbar in den vergangenen Jahren zugenommen – insbesondere aufgrund der Digitalisierung und der damit verbundenen ständigen Erreichbarkeit“, erläutert die Expertin. So könne nicht nur Überbelastung, sondern auch selbst auferlegte Arbeitssucht zu einer Depression und weiteren psychischen Leiden führen. Der starke Anstieg sei darüber hinaus darauf zurückzuführen, dass seelische Erkrankungen bei Männern nicht mehr ein so großes Tabuthema sind wie noch vor etlichen Jahren und es deshalb auch mehr Diagnosen gebe.

Alarmierendes Erkennungszeichen einer Depression ist mitunter: völlige Erschöpfung. Aufstehen, Duschen, Kaffee kochen – all das, was sonst selbstverständlich zum Alltag gehört, wird immer mehr zur unüberwindbaren Kraftanstrengung. Wer einen Hausarzt hat, dem er vertraut, sollte das Thema so früh wie möglich ansprechen – am besten schon, wenn die ersten Symptome wie Schlafstörungen auftreten. „In einfacheren Fällen kann bereits ein Seminar oder ein Coach zum Thema Zeit- und Selbstmanagement helfen“, rät Jana Acker. Die KKH etwa bietet zertifizierte Online-Entspannungskurse an.