Dienstag, 19. Mai 2020

Seit Corona-Ausbruch: Online-Dienste gefragt wie nie

  • Jeder fünfte Internetnutzer hat erstmals Online-Sportkurse besucht,
    7 Prozent machen erstmals Online-Dating
  • Mehr als die Hälfte nutzt seitdem häufiger Musikstreaming-Dienste


Von digitaler Weiterbildung bis zu virtuellem Work-out: Aufgrund der Corona-Pandemie entdecken viele Menschen die Online-Welt für sich. Seit dem Ausbruch des Coronavirus hat mehr als ein Viertel der Internetnutzer (26 Prozent) erstmals Online-Lernvideos geschaut, etwa auf YouTube oder Vimeo. Gut jeder Fünfte (22 Prozent) hat seitdem zum ersten Mal an Online-Sportkursen teilgenommen. Und mehr als jeder Sechste (17 Prozent) gibt an, dass er mit Beginn der Pandemie erstmals Online-Seminare zur privaten Weiterbildung besucht hat. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die im April 2020 durchgeführt wurde. „Durch die Corona-Pandemie erleben digitale Lösungen einen enormen Ansturm“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Viele Menschen machen derzeit erstmals Erfahrungen mit Online-Diensten, weil Angebote aus der analogen Welt wegfallen oder nur eingeschränkt nutzbar sind. Das wird das Nutzungsverhalten auch langfristig prägen.“

So verzeichnen auch Videostreaming-Plattformen für Serien und Filme viele Neunutzer. Jeder sechste Onliner (16 Prozent) hat sich seit der Covid-19-Verbreitung neu bei Portalen wie Netflix, Amazon Prime Video oder Joyn angemeldet. Jeder Zehnte (10 Prozent) hat die Corona-Pandemie zum Anlass genommen, erstmals virtuelle Rundgänge durch Museen und Ausstellungen zu machen. Genauso viele (10 Prozent) haben zum ersten Mal Kulturveranstaltungen wie Musikkonzerte und Theateraufführungen gestreamt. Und weitere 7 Prozent haben durch Corona zum Online-Dating gefunden.

Viele Online-Dienste werden intensiver genutzt

Aber nicht nur die erstmalige Nutzung von Online-Angeboten hat sich durch die Covid-19-Pandemie erhöht. Die Mehrheit der Onliner greift auch viel intensiver auf bereits zuvor genutzte Dienste zurück – vor allem beim Musikstreaming. Mehr als jeder zweite Internetnutzer (53 Prozent) hört seitdem vermehrt Musik über Plattformen wie Spotify oder Deezer. Ähnlich viele (49 Prozent) spielen häufiger Online-Games und gut jeder dritte Onliner (37 Prozent) schaut wegen der Corona-Pandemie mehr Serien und Filme per Videostreaming. „Nie waren Online-Dienste so wichtig wie in dieser für die Menschen besonders schwierigen Phase“, so Rohleder. „Wer bereits vor der Pandemie einschlägige Erfahrungen gemacht hatte, ist dort heute noch aktiver unterwegs.“ Fast jeder Fünfte (19 Prozent) schaut nun vermehrt Lernvideos, Online-Seminare zur privaten Weiterbildung werden von 16 Prozent häufiger besucht und 15 Prozent geben dies für Online-Sportkurse an.

Wie digitale Technologien Privatnutzern und Unternehmen helfen können, die aktuelle Situation zu meistern, hat Bitkom in einer Übersicht zusammengestellt. Hilfestellungen, Handreichungen und aktuelle Zahlen und Daten zum Umgang mit Covid-19 sind unter www.bitkom.org/corona verfügbar.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Im April 2020 wurden dabei 1.003 Personen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch befragt, darunter 843 Internetnutzer. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellung lautete: „Welche der folgenden Online-Angebote haben Sie nach Ausbruch der Corona-Pandemie zum ersten Mal oder häufiger genutzt?“

Sonntag, 19. April 2020

Corona zeigt Potenziale digitaler Assistenzsysteme für Senioren

Digitale Assistenten fördern Sicherheit und Gesundheit in häuslicher Umgebung


Dr. Bettina Horster
Foto: eco

Aufgrund der Corona-Krise fehlen nach Ostern zwischen 100.000 und 200.000 Pflegekräfte in der häuslichen Betreuung, schätzen Experten. 
„Den drohenden Pflegenotstand können digitale Assistenzsysteme abmildern“, sagt Dr. Bettina Horster, Direktorin der Kompetenzgruppe IoT im eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. 
Die Sprachassistenten können als zusätzliches Kommunikationsmedium dienen oder die Senioren erinnern – etwa an die Einnahme von Medikamenten, den nächsten Arztbesuch oder daran, etwas zu trinken. 
Dehydration ist der häufigste Grund, warum ältere Menschen in die Klinik müssen. Ist eine Übermittlung der Vitaldaten und eine Sturzerkennung integriert, sorgt das zusätzlich für Sicherheit, wenn Pflegefachkräfte fehlen.

Digitale Pflege braucht Sicherheit und Datenschutz

„Digitale Assistenzsysteme können Angehörige und Pfleger entlasten“, sagt Horster. Obwohl die technischen Minimal-Voraussetzungen mit einem Internetanschluss bereits gegeben sind, profitieren Senioren in Deutschland bislang kaum von solchen Assistenzsystemen. „Es fehlt den meisten Menschen noch das Bewusstsein für die Vorteile solcher Angebote“, sagt Horster. „Die Folgen der Corona-Krise könnten hier ein Umdenken bewirken.“
Zudem gebe es noch kaum Anbieter, die die hohen Sicherheits- und Datenschutzanforderungen erfüllen. „Die Nutzer müssen selbstbestimmt entscheiden können, wer die eigenen Vital- und Gesundheitsdaten einsehen kann“, sagt Horster. Die gängigen, von Internetkonzernen betriebenen Smart Home-Angebote erfüllen diese Voraussetzung jedoch leider nicht. Daher entwickelt beispielsweise die Smart City Dortmund mit Smart Care Service eine eigene digitale Pflegeplattform. Daran beteiligen sich zahlreiche Pflege-Dienstleister, die sich auf hohe Sicherheits- und Datenschutzvorgaben verständigt haben.

Zukunft der Pflege ist digital

Nicht nur die aktuelle Krise, auch der demographische Wandel machen solche Systeme zukünftig immer wichtiger, zeigt sich Horster überzeugt: „Wir brauchen eine mutigere Strategie zur Digitalisierung der Pflege.“ Dazu zählen für sie auch finanzielle Unterstützung durch Kommunen und Pflegekassen, denn viele Ältere können sich solche Systeme schlichtweg ohne Hilfe nicht leisten. „Entsprechende Subventionen würden nicht nur mehr Lebensqualität für die Betroffenen schaffen, sie rentieren sich auch, denn 75 Prozent aller Heimbewohner werden durch das Sozialamt unterstützt.“ Die Digitalisierung der Pflege wird so zukünftig ein längeres Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen und die Kommunen finanziell entlasten.

Dienstag, 24. März 2020

Startups brauchen rasche Hilfe in der Coronakrise

Bitkom veröffentlicht Positionspapier „Ganzheitliches Unterstützungspaket für Startups in Zeiten der Coronakrise



Der Digitalverband Bitkom hat in der Coronakrise entschiedene Maßnahmen der Politik angemahnt, die gezielt auf junge innovative Technologie-Unternehmen zugeschnitten sind. „Es muss jetzt alles getan werden, um ein großes Startup-Sterben zu verhindern. Startups haben in aller Regel keine Rücklagen, viele leben von der Hand in den Mund und haben nicht den langen Atem, um diese Krise ohne Unterstützung durchzustehen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wir begrüßen, dass das Bundeswirtschaftsministerium bereits ein Rettungspaket für Startups angekündigt hat. Wichtig ist, dass das Paket schnell beschlossen und umgesetzt wird – und dass es offen bleibt für Nachbesserungen.“

Bitkom drängt darauf, besonders folgende Themen in den Blick zu nehmen:
  • Kurzfristige Liquiditätslücken schließen: Die zur Liquiditätssicherung verkündeten Maßnahmen sind bisher für innovative, junge Wachstumsunternehmen nicht nutzbar. Nötig ist eine volle Risikoübernahme durch die KfW. Damit Startups finanzierbare Kredite erhalten können, sollten immaterielle Unternehmenswerte wie Daten in der Bonitätsbewertung stärker berücksichtigt werden. Der Umfang der Antragsprüfung sollte so angepasst werden, dass eine Auszahlung der Mittel binnen weniger Tage gewährleistet ist.

  • Vereinfachte staatliche Co-Investitionen: Die Verfügbarkeit von Wagniskapital für Startups wird sich in Folge der Coronakrise verschlechtern. Um aussichtsreiche und innovative Geschäftsmodelle nicht unverschuldet ins Aus geraten zu lassen, sollten Finanzierungsrunden mit staatlichen Mitteln vervollständigt werden, wenn mindestens 25 Prozent des Volumens durch private Investoren aufgebracht werden.

  • Einführung des Zukunftsfonds beschleunigen: Durch die Coronakrise droht insbesondere der Abzug von ausländischem Wagniskapital aus Deutschland. Dieses fehlt für große Finanzierungsrunden deutscher Startups. Deshalb sollte unbedingt an den Plänen zur Einführung des Zukunftsfonds festgehalten und die Umsetzung beschleunigt werden.

  • Kurzarbeitergeld vereinfachen: Kurzarbeit kann auch für Startups ein gutes Mittel sein, um auf einen kurzfristigen Absatzeinbruch zu reagieren. Allerdings stellt das 40-seitige Regelwerk zur Kurzarbeit gerade für kleine Startups eine Hürde dar, zumal sie häufig nicht über juristische In-House-Expertise verfügen. Hinzu kommt der bürokratische Aufwand bei der Beantragung. Um sowohl Unternehmen als auch Arbeitsagenturen angesichts der aktuellen Herausforderungen zu entlasten, sollte die Antragstellung wahlweise nicht mehr monatlich, sondern auch quartalsweise für je drei Monate erfolgen können. Zudem sollte die Beantragung von Kurzarbeitergeld temporär auch für Werkstudenten möglich sein.

  • Personal- und Fixkosten bezuschussen: Um die Liquidität der Startups sicherzustellen muss auch eine Entlastung im Bereich der Fixkosten möglich sein. Daher sollten die Ausgaben für einzelne Berufsgruppen für solche Unternehmen bezuschusst werden, die kein Kurzarbeitergeld beantragen. Weiterhin sollte in Zeiten der Corona-Pandemie verantwortungsbewusstes Unternehmertum incentiviert werden. Für den Zeitraum, in dem Unternehmen mindestens 90 Prozent ihres Personals im Home Office beschäftigen, sollte die Hälfte der Kosten der Gewerbemiete bezuschusst werden.

Darüber hinaus schlägt Bitkom in dem Papier „Ganzheitliches Unterstützungspaket für Startups in Zeiten der Coronakrise“ vor, die Situation für ausländische Fachkräfte, auf die viele Startups angewiesen sind, zu klären, Förderzeiträume zu verlängern und Steuerstundungen auszuweiten. 

Zudem solle der Staat mit gutem Beispiel vorangehen und gerade jetzt – zum Beispiel bei Dringlichkeitsbeschaffungen – Auftränge vermehrt und unbürokratisch an Startups und innovative kleine und mittlere Unternehmen vergeben.

Das vollständige Positionspapier „Ganzheitliches Unterstützungspaket für Startups in Zeiten der Coronakrise“ steht zum Download bereit unter: www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Ganzheitliches-Unterstuetzungspaket-fuer-Startups-in-Zeiten-der-Coronakrise

Montag, 2. März 2020

Quarantäne durch Coronaviren

Das müssen Arbeitnehmer beachten

 


Immer mehr Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus. Das wirkt sich auch auf das Arbeitsleben aus. Welche Rechte und Pflichten haben jetzt die Arbeitnehmer? Welche Konsequenzen drohen ihnen im Falle einer Quarantäne? 

„Wenn ein Arbeitnehmer in Quarantäne muss, hat er nach dem Infektionsschutzgesetz einen Anspruch auf finanzielle Entschädigung. Der Arbeitgeber bezahlt dessen Verdienstausfall für die ersten sechs Wochen“, sagt Wilhelm Mansberg, Arbeitsrechtler bei der Barmer. 

Ab der siebten Woche einer Quarantäne werde eine Entschädigung in Höhe des Krankengeldes gezahlt. Diese müsse der Betroffene aber selber bei der dafür zuständigen Landesbehörde beantragen. Darüber hinaus sei es die Pflicht des Arbeitnehmers, sich bei seinem Arbeitgeber abzumelden und ihn über die voraussichtliche Dauer der Quarantäne zu informieren.

Arbeitgeber muss Fürsorgepflicht wahren


Der Arbeitgeber wiederum müsse seiner Fürsorgepflicht gegenüber der Belegschaft nachkommen. „Bei einem begründeten Verdacht auf eine Coronavirusinfektion muss der Arbeitgeber den Betroffenen umgehend nach Hause schicken und ihn anweisen, seinen Arzt oder das Gesundheitsamt telefonisch zu kontaktieren“, sagt Mansberg. 

Von Rückkehrern aus aktuellen Risikogebieten könne er zudem eine „Unbedenklichkeitsbescheini-gung“ verlangen. Das Gesundheitsamt müsse bestätigen, dass keine Bedenken gegen die Rückkehr an den Arbeitsplatz vorlägen.