Freitag, 14. August 2020

Schnelle Hilfe in der Krise

Maßnahmen für Selbstständige, Freiberufler und kleine Firmen im Überblick

 

Foto: djd/BVR/Getty Images/sturti

Um kurzfristig Liquiditätsengpässe zu überbrücken sowie Arbeitsplätze und Existenzen zu sichern, sind umfangreiche Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht worden. Über die entsprechenden Möglichkeiten sollte man sich gut informieren.

(djd). Die Folgen der Coronakrise für jeden einzelnen Bürger werden sich vielleicht erst in einigen Jahren vollständig überblicken lassen. Fakt ist jedoch: Um kurzfristig Liquiditätsengpässe zu überbrücken sowie Arbeitsplätze und Existenzen zu sichern, sind sowohl durch die Bundesregierung als auch durch die Bundesländer umfangreiche Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht worden - besonders für Kleinunternehmen, Selbstständige und Freiberufler. Hier einige der wichtigsten Maßnahmen im Überblick: 
 

Förderkredite mit Haftungsfreistellung 

 
Etablierte und junge Unternehmen, die durch die Coronakrise in finanzielle Engpässe geraten sind, können bei Banken und Sparkassen einen Förderkredit der staatlichen KfW-Bankengruppe für Investitionen und Betriebsmittel beantragen. Voraussetzung: Sie waren bis zum 31. Dezember 2019 in keinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die KfW übernimmt dabei einen Teil des Risikos - für kleinere und mittlere Unternehmen bis zu 90 Prozent beziehungsweise beim KfW-Schnellkredit 100 Prozent. Die Förderkredite werden bei der jeweiligen Hausbank beantragt. Detaillierte Infos gibt es bei den Banken und Sparkassen vor Ort und unter www.foerder-welt.de. 
 

Finanzielle Freiräume mit speziellen Förderkrediten 

 
Die Volksbanken und Raiffeisenbanken etwa verschaffen mit dem "VR Smart flexibel Förderkredit" speziell kleinen und mittelständischen Unternehmen kurzfristig finanzielle Freiräume. Die Besonderheit: Im Rahmen der Corona-Soforthilfe ist der Kredit KfW-förderungsfähig. Die Kredithöhe liegt bei maximal 100.000 Euro. 
 

Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken

 
Unternehmen, die bis zur Krise tragfähige Geschäftsmodelle hatten, können Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken für Betriebsmittel- und Investitionsfinanzierungen beantragen. Bei kleineren Unternehmen ist eine 100-prozentige Bürgschaft für einen Maximalbetrag von 250.000 Euro möglich. 
 

Steuerliche Erleichterungen 

 
Unmittelbar von Corona betroffene Unternehmen erhalten steuerliche Erleichterungen. Steuerschulden aus der Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie der Umsatzsteuer können bis Ende 2020 gestundet, Steuervorauszahlungen angepasst werden. Auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge wird sowohl bei der Einkommen- und Körperschaftsteuer als auch bei der Umsatzsteuer verzichtet. 
 

Grundsicherung 

 
In der Krise erhalten Selbstständige leichter Zugang zur Grundsicherung. Damit können sie ihren Lebensunterhalt und ihre Unterkunft in der Krise sichern. Sie müssen in den nächsten Monaten weder ihre Vermögensverhältnisse offenlegen noch ihr Vermögen antasten. Die Ausnahmen gelten seit April 2020 für sechs Monate. Die Bedürftigkeitsprüfung erfolgt erst nachträglich.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Wenn der Job zum Psychotrip wird

Burnout, Depressionen & Co.: Zahl der Betroffenen steigt rasant


Foto: KKH Kaufmännische Krankenkasse


Ob Stress durch zu hohe Anforderungen, Überstunden, Pendeln, Mobbing oder auch Arbeitssucht: Der Job bringt immer mehr Menschen psychisch ans Limit. Das hat eine Auswertung unter berufstätigen Versicherten der KKH Kaufmännische Krankenkasse ergeben. Demnach stellten Ärzte 2018 bundesweit rund 320.000 Diagnosen aufgrund seelischer Leiden wie Angststörungen und Depressionen. Gegenüber 2008 bedeutet das einen Anstieg von durchschnittlich rund 40 Prozent. Den größten Leidensdruck im Job haben offenbar Berufstätige in Sachsen-Anhalt (plus 66 Prozent), den geringsten Anstieg registriert die KKH in Niedersachsen (plus 26 Prozent).

Der Job schlägt vor allem Frauen, aber zunehmend auch mehr Männern auf die Seele: Jede sechste Arbeitnehmerin erhielt 2018 die Diagnose Depression. Unter den männlichen Kollegen war es hingegen jeder 13. Auch von Angststörungen, Anpassungsstörungen (depressive Reaktionen aufgrund körperlicher und seelischer Belastungen) und somatoformen Störungen (körperliche Beschwerden, die keine organische Ursache haben) sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen. Allerdings ist bei allen Erkrankungen der Anstieg bei den Männern erheblich größer.

„In der Regel sind es meistens die Frauen, die sich neben dem Job um Kinder, Haushalt und zu pflegende Angehörige kümmern", nennt Jana Acker, KKH-Expertin für Psychologie und Stressreduktion einen der Gründe für den großen Frauenanteil bei psychischen Leiden. Eine andauernde Doppelbelastung könne krank machen. Bei Männern hingegen sind die Ursachen für Dauerstress häufig rein beruflicher Natur. „Viele Männer wollen in ihrem Job die Nummer eins sein beziehungsweise meinen, die Nummer eins sein zu müssen. Dieser Druck hat offenbar in den vergangenen Jahren zugenommen – insbesondere aufgrund der Digitalisierung und der damit verbundenen ständigen Erreichbarkeit“, erläutert die Expertin. So könne nicht nur Überbelastung, sondern auch selbst auferlegte Arbeitssucht zu einer Depression und weiteren psychischen Leiden führen. Der starke Anstieg sei darüber hinaus darauf zurückzuführen, dass seelische Erkrankungen bei Männern nicht mehr ein so großes Tabuthema sind wie noch vor etlichen Jahren und es deshalb auch mehr Diagnosen gebe.

Alarmierendes Erkennungszeichen einer Depression ist mitunter: völlige Erschöpfung. Aufstehen, Duschen, Kaffee kochen – all das, was sonst selbstverständlich zum Alltag gehört, wird immer mehr zur unüberwindbaren Kraftanstrengung. Wer einen Hausarzt hat, dem er vertraut, sollte das Thema so früh wie möglich ansprechen – am besten schon, wenn die ersten Symptome wie Schlafstörungen auftreten. „In einfacheren Fällen kann bereits ein Seminar oder ein Coach zum Thema Zeit- und Selbstmanagement helfen“, rät Jana Acker. Die KKH etwa bietet zertifizierte Online-Entspannungskurse an.

Sonntag, 14. Juni 2020

Wie sich die Gefahr ruinöser Konflikte in Unternehmerfamilien eindämmen lässt

Neuer Praxisleitfaden des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) bietet Hilfestellungen für den Umgang mit Konfliktsituationen in Unternehmerfamilien



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Für Familienunternehmen stellen Konflikte im Eigentümerkreis – oder besser gesagt: in der „Familie des Familienunternehmens“ – oftmals die Hauptursache für den Eintritt existenzbedrohender Krisen dar. Die schädigende Wirkung ungebremster Familienkonflikte erfasst dabei gleich zwei soziale Systeme: das Familienunternehmen sowie die Unternehmerfamilie selbst. Die Beeinträchtigung der Überlebensfähigkeit des Familienunternehmens geht dabei Hand in Hand mit der verringerten Chance auf konstruktive Anschlusskommunikationen zwischen den Familienmitgliedern. Einmal in eine Konfliktkommunikation hineingeraten, fällt es Unternehmerfamilien ohne Zuhilfenahme externen Wissens ausgesprochen schwer, aus dieser wieder herauszukommen. Umso verwunderlicher erscheint es, dass dem Thema Konfliktprävention in Unternehmerfamilien bisher eine relativ geringe Bedeutung eingeräumt worden ist.



Vor diesem Hintergrund nimmt der neue WIFU-Praxisleitfaden das Thema „Konflikte in der Unternehmerfamilie“ gesondert in den Blick und widmet sich einer Reihe von Themenbereichen, die maßgeblich zum Verständnis der Thematik beitragen: den besonderen Herausforderungen und Konfliktlagen, denen sich Unternehmerfamilien typischerweise gegenübersehen sowie praktisch bewährten Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung auf unterschiedlichen Ebenen.

Die in dem Praxisleitfaden dargelegten Inhalte speisen sich aus den Erfahrungen, die die beiden Autoren in über 15 Jahren in einer Vielzahl von Forschungsprojekten, Konfliktmoderationen und familienstrategischen Beratungsprojekten sammeln konnten. Die wesentlichen Erkenntnisse aus diesem Erfahrungsschatz werden mit dem neuen Leitfaden nun der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Viele Unternehmerfamilien, die Konflikte erleben, fragen sich: ‚Warum gerade wir?‘“, so Prof. Dr. Arist von Schlippe, Co-Autor des Leitfadens. „Die Antwort darauf ist einfach: Konflikte sind der zu erwartende Normalfall, wenn Familienlogik und Unternehmenslogik aufeinanderstoßen. Wir fragen daher eher, wie es gelingen kann, den Eskalationsfallen zu entgehen, die sich hier so vielfältig ergeben können. Der Leitfaden hilft, diese etwas besser zu verstehen“. Neben der Analyse typischer Konfliktdynamiken beinhaltet der Leitfaden Ansätze zur Konfliktprävention. „Oftmals treffen Konflikte die Unternehmerfamilie völlig unvorbereitet“, sagt Prof. Dr. Tom Rüsen, ebenfalls Co-Autor. „Wir hoffen, die dargestellten Ansätze zur Konfliktprävention helfen bei der Installation entsprechender Regelwerke“.

Alle WIFU-Praxisleitfäden stehen Ihnen auf der Homepage des WIFU (www.wifu.de/bibliothek) kostenlos zur Verfügung.

Dienstag, 19. Mai 2020

Seit Corona-Ausbruch: Online-Dienste gefragt wie nie

  • Jeder fünfte Internetnutzer hat erstmals Online-Sportkurse besucht,
    7 Prozent machen erstmals Online-Dating
  • Mehr als die Hälfte nutzt seitdem häufiger Musikstreaming-Dienste


Von digitaler Weiterbildung bis zu virtuellem Work-out: Aufgrund der Corona-Pandemie entdecken viele Menschen die Online-Welt für sich. Seit dem Ausbruch des Coronavirus hat mehr als ein Viertel der Internetnutzer (26 Prozent) erstmals Online-Lernvideos geschaut, etwa auf YouTube oder Vimeo. Gut jeder Fünfte (22 Prozent) hat seitdem zum ersten Mal an Online-Sportkursen teilgenommen. Und mehr als jeder Sechste (17 Prozent) gibt an, dass er mit Beginn der Pandemie erstmals Online-Seminare zur privaten Weiterbildung besucht hat. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die im April 2020 durchgeführt wurde. „Durch die Corona-Pandemie erleben digitale Lösungen einen enormen Ansturm“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Viele Menschen machen derzeit erstmals Erfahrungen mit Online-Diensten, weil Angebote aus der analogen Welt wegfallen oder nur eingeschränkt nutzbar sind. Das wird das Nutzungsverhalten auch langfristig prägen.“

So verzeichnen auch Videostreaming-Plattformen für Serien und Filme viele Neunutzer. Jeder sechste Onliner (16 Prozent) hat sich seit der Covid-19-Verbreitung neu bei Portalen wie Netflix, Amazon Prime Video oder Joyn angemeldet. Jeder Zehnte (10 Prozent) hat die Corona-Pandemie zum Anlass genommen, erstmals virtuelle Rundgänge durch Museen und Ausstellungen zu machen. Genauso viele (10 Prozent) haben zum ersten Mal Kulturveranstaltungen wie Musikkonzerte und Theateraufführungen gestreamt. Und weitere 7 Prozent haben durch Corona zum Online-Dating gefunden.

Viele Online-Dienste werden intensiver genutzt

Aber nicht nur die erstmalige Nutzung von Online-Angeboten hat sich durch die Covid-19-Pandemie erhöht. Die Mehrheit der Onliner greift auch viel intensiver auf bereits zuvor genutzte Dienste zurück – vor allem beim Musikstreaming. Mehr als jeder zweite Internetnutzer (53 Prozent) hört seitdem vermehrt Musik über Plattformen wie Spotify oder Deezer. Ähnlich viele (49 Prozent) spielen häufiger Online-Games und gut jeder dritte Onliner (37 Prozent) schaut wegen der Corona-Pandemie mehr Serien und Filme per Videostreaming. „Nie waren Online-Dienste so wichtig wie in dieser für die Menschen besonders schwierigen Phase“, so Rohleder. „Wer bereits vor der Pandemie einschlägige Erfahrungen gemacht hatte, ist dort heute noch aktiver unterwegs.“ Fast jeder Fünfte (19 Prozent) schaut nun vermehrt Lernvideos, Online-Seminare zur privaten Weiterbildung werden von 16 Prozent häufiger besucht und 15 Prozent geben dies für Online-Sportkurse an.

Wie digitale Technologien Privatnutzern und Unternehmen helfen können, die aktuelle Situation zu meistern, hat Bitkom in einer Übersicht zusammengestellt. Hilfestellungen, Handreichungen und aktuelle Zahlen und Daten zum Umgang mit Covid-19 sind unter www.bitkom.org/corona verfügbar.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Im April 2020 wurden dabei 1.003 Personen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch befragt, darunter 843 Internetnutzer. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellung lautete: „Welche der folgenden Online-Angebote haben Sie nach Ausbruch der Corona-Pandemie zum ersten Mal oder häufiger genutzt?“