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Montag, 26. April 2021

DAK-Studie: Homeoffice-Potenzial ist fast ausgeschöpft

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten arbeitet regelmäßig im Homeoffice – bei hoher Zufriedenheit und Produktivität




Homeoffice hat sich in der deutschen Arbeitswelt etabliert. Doch ein gewisses Homeoffice-Potenzial bleibt ungenutzt: Fast die Hälfte aller Beschäftigten könnte – von der Tätigkeit her – ganz oder zu einem großen Teil von zu Hause aus arbeiten. Tatsächlich ist aber nur jeder und jede Dritte regelmäßig im Homeoffice aktiv. Einer kleinen Minderheit fehlt die Erlaubnis ihrer Firma und neun Prozent entscheiden sich selbst bewusst dagegen. Gleichzeitig sind Arbeitszufriedenheit und Produktivität im Homeoffice hoch und in den vergangenen Monaten noch gestiegen. Das zeigt die Homeoffice-Studie der DAK-Gesundheit. Die Krankenkasse hat jetzt ein Update zu ihrer Sonderanalyse „Digitalisierung und Homeoffice in der Corona-Krise“ erstellt und dazu ergänzend auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber nach ihrer Einschätzung befragt.

Mit dem Update liegt eine einmalige Längsschnittstudie zu Digitalisierung und Homeoffice vor, die den Stand vor Corona, während der ersten sowie vor der dritten Welle miteinander vergleicht. Befragt wurde im Februar 2021 eine für Deutschland repräsentative Stichprobe von über 7.000 Beschäftigten, von denen knapp 5.000 bereits bei den Erhebungen im April/Mai 2020 und im Dezember 2019 dabei waren. Damit sind die Ergebnisse der DAK-Studie in hohem Maße repräsentativ. Sie zeigen auf, dass für die Mehrheit der Beschäftigten die positiven Aspekte des Homeoffice überwiegen. Die durch die Pandemie bedingte Sondersituation, etwa die gleichzeitige Betreuung von Kindern während der Arbeit zu Hause, wird als belastend empfunden, aber als Auswirkung der Krise nicht dem Homeoffice selbst angelastet. Allerdings verfügt eine Minderheit der Befragten über keine besonderen Strategien, um im Homeoffice gut arbeiten zu können. Das Risiko von Überforderung und Überlastung ist hier gegeben.

Homeoffice hat sich in der Arbeitswelt etabliert

Vor der Pandemie waren nur zehn Prozent fast täglich oder zumindest mehrmals pro Woche im Homeoffice. Seit der Corona-Krise hat sich ihr Anteil mehr als verdreifacht: Im Februar 2021 sind 38 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer regelmäßig von zu Hause aus tätig. Damit ist das Niveau vor der dritten Pandemie-Welle in etwa so hoch wie während der ersten. „Das Homeoffice hat sich in der Arbeitswelt etabliert und kann zu einer Erfolgsgeschichte werden“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Das funktioniert – wie wir sehen – auch ohne gesetzliche Verpflichtung.“

Homeoffice-Potenzial ist fast ausgeschöpft

Von ihrem Tätigkeitsprofil her könnten 45 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach eigener Auskunft zumindest für einen großen Teil ihrer Arbeitszeit ins Homeoffice gehen. Neun Prozent entscheiden sich bewusst dagegen, drei Prozent berichten von einem Verbot ihrer Firma. Von denjenigen, die von sich aus lieber ins Büro gehen, berichten viele von zu viel Ablenkung zu Hause (28 Prozent), dem Unvermögen, sich abzugrenzen (24 Prozent) oder sich allein zu organisieren (17 Prozent). Ein Drittel hat auch mindestens ein Kind unter zwölf Jahren mit – in Corona-Zeiten – eingeschränkter Betreuung durch Kita oder Schule. „Menschen mit potenziell Homeoffice-geeigneten Jobs gehen ins Büro und verzichten aufs mobile Arbeiten, weil sie zu Hause zu wenig Platz haben und vertrauliche Unterlagen nicht einfach auf dem Sofa bearbeiten können“, sagt Andreas Storm. „Keine politisch verordnete Homeoffice-Pflicht kann an der Tatsache etwas ändern, dass sich für einen gewissen Anteil der Beschäftigten das Büro nicht einfach so ins Wohnzimmer verlagern lässt!“

Tatsächlich gibt es nur eine sehr kleine Minderheit, die allein aus eher unbedeutenden Gründen weiter in die Firma fährt. Zu solchen Gründen gehören „gern mal rauskommen“ und „Kollegen sehen“ oder auch als kompliziert empfundene Firmenregeln fürs Homeoffice. „Potenzial für zukünftig noch mehr Arbeit von zu Hause aus sehen wir allein bei einer sehr kleinen Gruppe an Beschäftigten, die unter zwei Prozent in Deutschland ausmacht“, fasst Hans-Dieter Nolting die Studienergebnisse seines IGES-Instituts zusammen.

Produktivität im Homeoffice ist hoch

Grundsätzlich leisten die Beschäftigten im Homeoffice viel. Der Anteil derer, die sich bei der Arbeit in den eigenen vier Wänden sogar als produktiver empfinden, ist im Verlauf der Corona-Krise noch gestiegen: Er lag im April/Mai 2020 bei 57 Prozent und im Februar 2021 bei 63 Prozent. Auch die Arbeitgeber halten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Hause im Großen und Ganzen für ebenso produktiv wie im Büro. In mittelständischen und großen Unternehmen ist Homeoffice deutlich verbreiteter als in Kleinbetrieben. Großbetriebe stellen ihren Beschäftigten auch mehrheitlich passende Arbeitsmittel wie Laptop, Monitor, Tastatur oder sogar Büromöbel ins Heim.

Arbeitszufriedenheit und Work-Life-Balance weiterhin hoch

Das Update der DAK-Studie zeigt, dass die Beschäftigten auch nach Monaten im Homeoffice weiterhin sehr zufrieden sind. Die Arbeitszufriedenheit ist im Februar 2021 sogar noch gestiegen. Die große Mehrheit (72 Prozent) kann zudem Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren. Im Verlauf der Corona-Krise hat auch hier der Anteil derjenigen, die Vorteile für sich wahrnehmen, zugenommen (plus sechs Prozentpunkte).

Risiko der Über- und Fehlbelastung durch das Homeoffice

Insgesamt haben die Menschen mittlerweile viel digitale Erfahrung gesammelt und besitzen nach eigener Einschätzung mehrheitlich eine gute Kompetenz für das Homeoffice. Sie verfügen über Strategien, die ihnen helfen, gut von zu Hause aus zu arbeiten: Sie geben ihrem Arbeitstag eine klare Zeitstruktur, legen Beginn und Arbeitsende klar fest, richten sich Pausen ein und halten virtuell persönlichen Kontakt mit ihrem Team. Allerdings zeigt die Studie auch, dass eine Minderheit von vier Prozent über keine einzige der genannten Strategien verfügt. Auch wenn parallel zur Homearbeit Kinder zu betreuen sind, ist es für die Betroffenen schwerer. 44 Prozent der Beschäftigten mit Kind unter zwölf Jahren sagen, sie seien häufig abgelenkt. Und die große Mehrheit bekommt von ihrer Firma nur einen Laptop und hat deshalb daheim eine ergonomisch unzureichende Ausstattung. „Wenn Beschäftigte im Homeoffice regelmäßig über ihre Grenzen gehen, besteht langfristig das Risiko einer Über- und Fehlbelastung. Es muss für Arbeitgeber ein Warnsignal sein, wenn sich zum Beispiel die Überstunden häufen“, sagt Andreas Storm. „Hier sind auch die Arbeitgeber in der Fürsorgepflicht.“ Tatsächlich bietet bisher nur eine Minderheit der Firmen (13 Prozent) Schulungen zur Arbeit im Homeoffice an, bei denen auch gesundes Selbstmanagement Thema sein müsste.

Online-Angebot zum gesunden Arbeiten im Homeoffice

Unter dem Eindruck der Veränderungen hat die DAK-Gesundheit ihre Online-Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung erweitert. Sie bietet Firmen Online-Workshops und -Schulungen für ihre Mitarbeiter an, die gesundes Arbeiten im Homeoffice unterstützen. Ein Teil der Angebote ist für Versicherte aller Krankenkassen kostenfrei zugänglich. Weitere Informationen zum Homeoffice und zur aktuellen Studie veröffentlicht die Krankenkasse unter: www.dak.de/homeoffice

Die DAK-Gesundheit ist mit rund 5,6 Millionen Versicherten die drittgrößte gesetzliche Krankenkassen Deutschlands.

Freitag, 14. August 2020

Schnelle Hilfe in der Krise

Maßnahmen für Selbstständige, Freiberufler und kleine Firmen im Überblick

 

Foto: djd/BVR/Getty Images/sturti

Um kurzfristig Liquiditätsengpässe zu überbrücken sowie Arbeitsplätze und Existenzen zu sichern, sind umfangreiche Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht worden. Über die entsprechenden Möglichkeiten sollte man sich gut informieren.

(djd). Die Folgen der Coronakrise für jeden einzelnen Bürger werden sich vielleicht erst in einigen Jahren vollständig überblicken lassen. Fakt ist jedoch: Um kurzfristig Liquiditätsengpässe zu überbrücken sowie Arbeitsplätze und Existenzen zu sichern, sind sowohl durch die Bundesregierung als auch durch die Bundesländer umfangreiche Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht worden - besonders für Kleinunternehmen, Selbstständige und Freiberufler. Hier einige der wichtigsten Maßnahmen im Überblick: 
 

Förderkredite mit Haftungsfreistellung 

 
Etablierte und junge Unternehmen, die durch die Coronakrise in finanzielle Engpässe geraten sind, können bei Banken und Sparkassen einen Förderkredit der staatlichen KfW-Bankengruppe für Investitionen und Betriebsmittel beantragen. Voraussetzung: Sie waren bis zum 31. Dezember 2019 in keinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die KfW übernimmt dabei einen Teil des Risikos - für kleinere und mittlere Unternehmen bis zu 90 Prozent beziehungsweise beim KfW-Schnellkredit 100 Prozent. Die Förderkredite werden bei der jeweiligen Hausbank beantragt. Detaillierte Infos gibt es bei den Banken und Sparkassen vor Ort und unter www.foerder-welt.de. 
 

Finanzielle Freiräume mit speziellen Förderkrediten 

 
Die Volksbanken und Raiffeisenbanken etwa verschaffen mit dem "VR Smart flexibel Förderkredit" speziell kleinen und mittelständischen Unternehmen kurzfristig finanzielle Freiräume. Die Besonderheit: Im Rahmen der Corona-Soforthilfe ist der Kredit KfW-förderungsfähig. Die Kredithöhe liegt bei maximal 100.000 Euro. 
 

Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken

 
Unternehmen, die bis zur Krise tragfähige Geschäftsmodelle hatten, können Ausfallbürgschaften der Bürgschaftsbanken für Betriebsmittel- und Investitionsfinanzierungen beantragen. Bei kleineren Unternehmen ist eine 100-prozentige Bürgschaft für einen Maximalbetrag von 250.000 Euro möglich. 
 

Steuerliche Erleichterungen 

 
Unmittelbar von Corona betroffene Unternehmen erhalten steuerliche Erleichterungen. Steuerschulden aus der Einkommen- und Körperschaftsteuer sowie der Umsatzsteuer können bis Ende 2020 gestundet, Steuervorauszahlungen angepasst werden. Auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge wird sowohl bei der Einkommen- und Körperschaftsteuer als auch bei der Umsatzsteuer verzichtet. 
 

Grundsicherung 

 
In der Krise erhalten Selbstständige leichter Zugang zur Grundsicherung. Damit können sie ihren Lebensunterhalt und ihre Unterkunft in der Krise sichern. Sie müssen in den nächsten Monaten weder ihre Vermögensverhältnisse offenlegen noch ihr Vermögen antasten. Die Ausnahmen gelten seit April 2020 für sechs Monate. Die Bedürftigkeitsprüfung erfolgt erst nachträglich.